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Sparkasse goes Sambia

KSK Inside

Unterstützung der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation


Unsere Mitarbeiterin Jutta Dettinger ist für zwei Wochen in Sambia. Dort unterstützt sie ein Projekt der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation, mit der wir kooperieren. Schwerpunkte des Projekts sind die Verbesserung des Geschäftsstellennetzes, die Optimierung des Vertriebs- und Kreditgeschäftes und des damit in Verbindung stehenden Know-hows. Die Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, wirtschaftliche Entwicklungshilfe zu betreiben. So trägt sie das Erfolgsmodell „Sparkasse“ über regionale Grenzen hinaus in die Welt. Mit dem Ziel, Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern Zugang zu Finanzdienstleistungen zu ermöglichen und damit Perspektiven für einen Weg aus der Armut zu schaffen.

Auf dieser Seite bekommen Sie spannende Einblicke in die Erlebnisse von Jutta Dettinger: 


Mittwoch, 5. Dezember 2019

Gestern wars spannend, wie immer - durfte zu NATSAVE.

Ralf Reitemeier, der Consultant, den ich hier im Hotel getroffen habe und auch in engem Kontakt zur Sparkassenstiftung steht, hat mich heute Nachmittag spontan und unkompliziert zu einem Besuch bei der National Savings and Credit Bank (NATSAVE) eingeladen. NATSAVE ist die staatliche, sambische Sparkasse, die landesweit aktiv ist. Trotz des kurzfristigen Termins wurde ich sehr herzlich empfangen, wie übrigens überall, wo ich bisher war. 

Ralf hat mich gleich in den 6. Stock gebracht und dem Head of Credit und seiner Führungsmannschaft vorgestellt. Nach kurzem Austausch über die unterschiedlichen Strukturen, Einzugsgebiete und Mitarbeiterzahlen (und der Kreditausfallquoten) der NATSAVE  und der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen wurde mir eine Führung durch den Kundenservicebereich (hier ist das altmodische Wort Schalterhalle noch zutreffend) und den Konsumentenkreditbereich angeboten.

Im Kundenservicebereich haben wir über die Produktpalette gesprochen, mir wurde der Geldausgabeautomat gezeigt und Zeit für ein Photo war auch. Neben den Schaltern, an denen die Ein- und Auszahlungen gebucht werden und die Beratung bzgl. der Sparkoten erfolgt, gibt es noch zwei weitere Räume für die Kreditberatung zu kurzfristigen (1-3 Monate) auf dem Lohn/Gehalt basierenden Krediten. Jetzt, im Kreditbereich, habe ich mich ein bisschen wie zu Hause gefühlt und mich nach dem Genehmigungsprozess, der Bonitätsprüfung und Kapitaldienstrechnung erkundigt.

Grundlage des Prozesses ist der Kundenantrag, den der Kunde und der Arbeitgeber unterzeichnen. Neben dem ausgefüllten Antrag muss der Kunde eine Kopie seines Ausweises vorlegen, Kopien der letzten 3 Gehaltsabrechnungen, einen Brief des Arbeitgebers, einen Wohnsitznachweis und 2 Passfotos. Die Passfotos werden archiviert, damit der Kunde bei Nichtzahlung zweifelsfrei identifiziert werden kann.

Die Kapitaldienstrechnung ist ganz einfach:
Das durch den Arbeitgeber bestätigte und über die Gehaltsabrechnung nachgewiesene Nettoeinkommen dient in Höhe von 50% der Rückzahlung des Kredites, die bei diesem Produkt nach 3 Monaten erfolgt sein muss. Punkt. Weitere Informationen zu Familienstand, Kindern, Höhe der Schulgelder, Anzahl der Pkw. oder sonstigen Verpflichtungen werden nicht abgefragt. Es gibt allerdings eine Art Schufa, an die monatlich alle Kredite und rückständigen Zahlungen gemeldet werden müssen und die auch Auskünfte auf Anfrage erteilt.

Ich habe ungläubig nachgefragt, aber diese Vorgehensweise ist üblich und das nicht nur bei NATSAVE. Allerdings läuft ein Projekt an, diese Art der Kapitaldienstrechnung zu modifizieren.

Dann sind wir zur im gleichen Gebäude untergebrachten Kreditberatung für Privatkundenkredite mit Laufzeit bis zu 5 Jahren weitergegangen, die als selbständige Zweigstelle agiert. Warum das so ist, hat sich mir nicht erschlossen. Diese Kundenberater sind nicht nur für den Verkauf und zu großen Teilen für die Abwicklung zuständig, sondern auch für das Recovery, also die „Eintreibung“ der rückständigen Zahlungen. Da diesen Mitarbeitern kein Auto zur Verfügung steht und die Kosten für öffentliche Verkehrsmittel über den Arbeitgeber nicht abgerechnet werden können, ist der Anreiz für Besuche der nichtzahlenden Kunden gering.

Ich habe in den 2 Stunden meines Besuchs viel erfahren, aber ehrlich gesagt, habe ich jetzt noch mehr Fragen, als vor meinem Besuch bei NATSAVE. Und die abgegriffene Floskel „andere Länder, andere Sitten“ hilft auch nicht wirklich weiter... 2 Wochen in Sambia sind einfach viel zu kurz.

Dienstag, 3. Dezember 2019

Heute war ein normaler Bürotag. Ich habe am Montagmorgen über den Projektleiter Reinhold Hörnle einen Consultant kennengelernt, der hier die NATSAVE, die sambische, staatliche Sparkasse, unterstützt, und wir haben uns beim Frühstück getroffen.

Nach dem Frühstück haben wir uns gemeinsam auf den Weg zur Arbeit gemacht; auf der Cairo Road ist Ralf dann nach rechts abgebogen und ich nach links. Ich habe nun auch eine Taktik entwickelt, wie ich diese mehrspurigen Straßen (auf der alle auf der falschen Seite fahren) einigermaßen sicher überqueren kann. Sobald ich mich dem Punkt nähere, an dem ich queren möchte, halte ich unauffällig nach Passanten Ausschau, die das ebenfalls vorhaben. Ich stelle mich dann mit unbeteiligtem Gesichtsausdruck daneben und renne erst los, wenn sich der gesamte Pulk bewegt. Ich habe da mal was von der Sicherheit in der Herde gelesen, dieses Prinzip muss aus Afrika stammen.

Im Büro bei der Bank of Sambia habe ich heute überraschenderweise und sehr kurzfristig nochmals die Chance erhalten, mich und meine Tätigkeit bei der Kreissparkasse vorzustellen. Reinhold Hörnle konnte bei dieser Gelegenheit wiederholt unterstreichen, wie sehr ihm und der Sparkassenorganisation der Erfahrungsaustausch am Herzen liegt und dass er über die Sparkassenorganisation und seine Tätigkeit das Wissen und die Erfahrung vieler Experten aus nahezu allen Bereichen des Bankwesens zur Verfügung stellen kann. Die Bank of Sambia hat Interesse an einem Workshop für ihre Kreditspezialisten bekundet, insbesondere zum Kreditgenehmigungsprozess und der Analyse der wirtschaftlichen Verhältnisse von Unternehmen und Privatkunden. Hier wurde der Wunsch geäußert, die Vorgehensweise der Banken und Sparkassen besser kennenzulernen, um die Prüfungshandlungen der Zentralbank zu modifizieren. Die Bank of Sambia wird hierzu die Themenbereiche möglichst genau definieren und basierend auf diesen Anforderungen kann dann die Sparkassenstiftung die Experten anfordern.

Hierzu muss man wissen, dass Afrika anders tickt als Deutschland. Die Vereinbarung dieser Vorgehensweise ist ein Vertrauensbeweis und ein wichtiger Schritt für die weitere Zusammenarbeit.

Nach Feierabend gab es wieder eine Stunde Aerobic auf dem Mitarbeiterparkplatz der Bank of Sambia - damit haben wir uns das Feierabendbier redlich verdient. Die nächstgelegene Kneipe ist gleich nebenan, vermutlich in einem Schuppen des ehemaligen Bahnhofsgeländes, untergebracht. Ob es hier so eine Art Schankgenehmigung gibt, wage ich zu bezweifeln. Aber wenn man nur Flaschenbier verkauft, ist das vielleicht gar nicht notwendig.

Montag, 2. Dezember 2019

Heute Vormittag durfte ich den Projektleiter Reinhold Hörnle und Angela Njunju, Senior Project Officer, bei einem Besuch der Conservation Farming Unit, einem Kooperationspartner der Sparkassenstiftung, begleiten.

Die Conservation Farming Unit (CFU) ist eine Hilfsorganisation in Sambia, die Kleinbauern durch Schulungen und praktische Trainings hilft, nachhaltige Landwirtschaft zu betreiben. Jährlich werden über 200.000 Trainer in 45 Distrikten in Sambia ausgebildet. Der Fokus von CFU liegt auf der Vermittlung des Fachwissens im Bereich Agrarwirtschaft. Nachdem nun in diesem Jahr erstmals einigen ausgewählten Trainern dieser Organisation die Farmers Business Simulation der Sparkassenstiftung vorgestellt und geschult wurde, hat die CFU begonnen, ihre Schulungen um diese Farmers Business Simulation (FBS) zu erweitern. Die Themen, die die FBS aufgreift sind zB wie werden Umsätze geplant und Kosten kalkuliert, welche Investitionen können getätigt werden und wie wirken sich diese Entscheidungen auf Liquidität und Vermögen aus, welche Möglichkeiten gibt es, um Sparvermögen zu bilden und auf was ist zu beachten, wenn ein Bankdarlehen benötigt wird, was ist Contract farming und wie können Produkte vermarktet werden. Diese Themen ergänzen die Trainings perfekt, die die CFU durchführt. Unser Gesprächspartner heute hat um die Bereitstellung von weiterem Schulungsmaterial gebeten. Innerhalb weniger Monate wurden fast 1.200 Teilnehmer durch die Trainer der CFU geschult!

Die Nachfrage nach diesen Trainings ist riesengroß und die Rückmeldung der Teilnehmer überwältigend. Was für eine erfolgreiche Kooperation.

Jeder Teilnehmer eines FBS füllt am Ende des Trainings einen Fragebogen aus, in dem er Informationen zu seinem Betrieb, seinem Sparverhalten, Erfahrungen mit Kreditaufnahmen, dem Umfang seiner Buchhaltung und dem Nutzen der Schulung gibt. Wir haben einen riesigen Karton mit diesen Fragebögen erhalten. Die Daten werden in Excel und über die Plattform der Sparkassenstiftung manuell erfasst und ausgewertet. Das dauert garantiert Wochen! Ich könnte ja morgen mal anbieten, meinen Rückflug zu verschieben um die Auswertung zu übernehmen.


Sonntag, 1. Dezember 2019

Es ist Sonntag und ich war bei den den Elefantenbabys! Die Lelayi Lodge liegt ca. 60 Autominuten (oder auch nur 45 Minuten, je nach Fahrstil) außerhalb von Lusaka und ist sowohl Hotel, als auch eine Station für Elefantenwaisenbabys.

Da das Ziel ist, die Elefanten wieder auszuwildern, wird der Kontakt der Elefantenbabys zu Menschen möglichst auf die Trainer, die die Mutterfunktion übernehmen, begrenzt. Zuschauer dürfen bei einer Fütterung am Tag, die in einem speziellen Gehege stattfindet, von einer Plattform aus zusehen. Wir wurden vorgewarnt, die Fotoapparate und Smartphones bereitzuhalten, da die Elefantenbabys es schaffen, ihre Milchportion in knapp 10 Sekunden „wegzuputzen“. Es war auch schön, den Kleinen beim Baden im Schlammloch zuzusehen.

Aber als ich dann die Geschichten der Kleinen gehört habe, ist mir das Lächeln vergangen. Das kleinste Elefantenbaby wurde neben seiner, mit mehreren Schüssen tödlich verletzten, hilflosen Mutter gefunden. Ein anderes Elefantenbaby wurde von einer Gruppe Schüler beim Schulausflug aufgegriffen, als es alleine herumirrte. Seine Mutter wurde vermutlich 1 oder 2 Tage vorher viele Kilometer entfernt erschossen. 

Im frühen 20. Jahrhundert gab es noch 10 Mio. Elefanten in Afrika, 2018 waren es nur noch 352.000.

Am Nachmittag habe ich im Garten der Lodge, der an das Wasserloch angrenzt, eine zwischen 2 Bäume gespannte Hängematte entdeckt. Ich habe mich reingelegt, die Augen geschlossen und das Zwitschern, Summen, Brummen und Zirpen in den Bäumen über mir genossen. 

Mir hat sich heute wieder eine neue Seite von Afrika offenbart.

Samstag, 30. November 2019

Hier in Sambia sind zwar einige Banken und Finanzdienstleister vertreten, aber eben nur in Städten. Für die Menschen auf dem Land ist es teilweise sehr schwer, Zugang zu Finanzdienstleistungen, wie einem einfachen Sparkonto oder einem Kredit zu bekommen. Daher haben sich Spargruppen gebildet. Die Mitglieder treffen sich in der Regel wöchentlich, meist sonntags, um ihren Sparbeitrag einzuzahlen. Es ist nicht so, dass hier jeder sparen kann, was er möchte – oder auch nicht. Es gibt festgelegte Beträge, die mindestens gespart oder maximal gespart werden können je Mitglied, um zu vermeiden, dass die Anteile der Mitglieder sich außerhalb jeglicher Proportionen zueinander entwickeln. Die Einzahlungen werden in einem Kassenbuch eingetragen und in die Kasse bar eingezahlt. Die Kasse ist in der Regel eine Box, die nur mit drei verschiedenen Schlüsseln, die drei Mitgliedern anvertraut werden, zu öffnen ist. Aus dem Guthaben können kurzfristige Darlehen an Mitglieder gewährt werden. Die Zinszahlungen hierfür erhöhen das Vermögen der Gruppe insgesamt. Es gibt in der Regel einen Sozialfonds, aus dem Zahlungen in Notfällen geleistet werden, was die Gruppe gemeinsam entscheidet. Jede Gruppe definiert die Regeln für sich, und die Dauer der Spargruppe ist befristet. Zwar nimmt die Zahl der Menschen, die ein Konto bei einer Bank besitzen stetig zu, aber für viele Menschen hier in Sambia ist dies die sicherste Möglichkeit, Geld anzusparen.

Am Morgen hatte ich noch Gelegenheit, über einen wunderhübschen, unter alten Bäumen gelegenen Kunsthandwerkermarkt zu schlendern und ein paar (viele!) Mitbringsel zu kaufen.

Dann ging es weiter zu dem von der Sparkassenstiftung durchgeführten Training der neuen Trainer für das Farmer Business Game, das am Montag früh begonnen hat und heute Mittag abgeschlossen wurde. In den ersten drei Tagen waren die zukünftigen Trainer selbst die Teilnehmer und haben die Durchführung des Farmer Business Games als Teilnehmer erlebt. In den folgenden drei Tagen wurden die Teilnehmer trainiert, um nun auch als Trainer das Business Game durchführen zu können. Das heißt, dass neben der Durchführung des Spiels, der Ermittlung und Präsentation der Ergebnisse einer jeden Spielrunde und der fachlichen Blöcke auch das WIE geschult wurde. Wie vermittle ich Lerninhalte, welche Medien kann ich nutzen, wie binde ich Teilnehmer ein und das alles möglichst im vorgegebenen Zeitrahmen, waren die Themen der zweiten Hälfte. Die Teilnehmer wurden über die Sparkassenstiftung mit allen notwendigen Spiel- und Arbeitsmaterialien ausgestattet, um das Game durchführen zu können.

Jedem Teilnehmer wurde vom Projektleiter Reinhold Hörnle persönlich eine Urkunde überreicht, die ihn nun als Trainer auszeichnet. Es war fast mit den Händen greifbar, wie die Gruppe in den vergangenen 6 Tagen zusammengewachsen ist und wie sich alle gefreut haben, dieses Training erfolgreich abgeschlossen zu haben. Dass man zum Abschluss einer erlebnisreichen, gemeinsamen Woche, in der die Teilnehmer über sich selbst hinausgewachsen sind, noch zusammen gesungen und getanzt hat, ist eigentlich doch ganz normal, oder!?


Freitag, 29. November 2019

Heute war ein ganz normaler Tag. Vielleicht komme ich so langsam in Sambia an, weil ich diesen mörderischen Straßenverkehr morgens und die hohen Sicherheitsvorkehrungen bei der Bank of Sambia langsam als normal akzeptiere? Hier noch ein paar Eindrücke zum Verkehr in Lusaka. In Sambia herrscht Linksverkehr und ich behaupte, dass es keine weiteren Verkehrsregeln gibt –zumindest keine, die ich bisher nachvollziehen konnte. Selbst auf Kreuzungen mit Ampelschaltung fahren anscheinend einfach alle in die Kreuzung und wursteln sich dann mit Blickkontakt aneinander vorbei. In dieser Situation würden in der Stuttgarter Innenstadt die Nerven blank liegen und das Hupkonzert wäre ohrenbetäubend.

Um die Situation noch spannender zu machen, laufen Händler und auch viele Kinder zwischen den Autos durch, um ihre Ware an den Mann zu bringen. Und dann sind da noch diese Schubkarren, die mit abenteuerlichen Materialien wie Baustahlmatten auf mindestens die doppelte Länge vergrößert wurden und mit der Männer schwere Lasten durch die vollgestopften Straßen transportieren. Interessant wird es, wenn sich dieser Pulk dann um Schlaglöcher von der Tiefe des Grand Canyon herumschlängeln muss.

Der Personennahverkehr wird also durch Pkws, Taxis und Busse getragen. Züge fahren eigentlich nur im Fernverkehr. Vermeiden sollte man unbedingt, nachts außerhalb der Stadt Auto zu fahren. Hier gibt es keine Straßenbeleuchtung, dafür viele Schlaglöcher und Verkehrsteilnehmer, die ohne Licht oder mit defekter Beleuchtung unterwegs sind. Der entgegenkommende, einzelne Scheinwerfer, der einen Motorradfahrer vermuten lässt, entpuppt sich dann als LKW.

Den Abend habe ich heute unter Bäumen in einer kleinen Oase in der Stadt ausklingen lassen. Mit zunehmender Dämmerung haben sich die Geräusche verändert. Sambia klingt gut in der Dämmerung.

Donnerstag, 28. November 2019

Ich habe heute meine „best Mittagspause ever“ erlebt. Heute Morgen habe ich den Projektleiter, Reinhold Hörnle, unterstützt und mich mit der Buchhaltung des Projektteams beschäftigt. Von ihm habe ich heute auch noch mehr über die Aufgaben, Ziele, Zielerreichung bzw.  das Projektcontrolling erfahren.  Ich habe mich mit den in Sambia gültigen, gestaffelten Steuersätzen auf Einkommen aus nicht selbständigerTätigkeit und der doch wohl noch etwas übersichtlicheren Verbuchung von Sozialleistungen beschäftigt. Bin aber noch nicht fertig...
Vermutlich habe ich bei diesem schwer verdaulichen Thema vor mich hingebrummelt, denn Reinhold hatte Mitleid und mir die Wahl überlassen, ob wir zum Essen in die Kantine der Bank of Sambia gehen oder uns einen Shawarma gönnen. Was für eine Frage: Gleich um die Ecke war ein kleiner Imbiss. 

Beim Essen hat mir Reinhold die Frage gestellt, ob ich bereit wäre, für „ein bisschen mehr Afrika“. Ja, und es wurde richtig „viel Afrika“.

Wir haben die Cairo Road, die Hauptstraße, überquert, was an sich schon ein Abenteuer ist und sind nur ein paar Meter weiter in eine Seitenstraße abgebogen – in eine andere Welt.
Ich bin das erste Mal in Afrika und war noch nie zuvor auf einem Markt wie diesem.  Menschen, Gerüche, eine unglaubliche Menge und Vielzahl von Waren und Lebensmittel, insbesondere Obst und Gemüse. Aber auch kleine Fische, geröstete Raupen, Schuhe, Kleidung – sowohl neu als auch gebraucht. Ausgebreitet auf dem Boden. Auf Kisten, Ständen, Körben, klapprigen Regalen. Ich habe meine ganz persönliche Definition für das Wort „Reizüberflutung“ gefunden. 

Wir haben hier unsere Obstbestände aufgestockt, ich habe richtig gute, leicht geröstete Erdnüsse gegessen und bin sprachlos Reinhold durch die schmalen Gänge zwischen den Waren gefolgt. Bei dieser Gelegenheit wurde ich Besitzerin eines Fussballtrikots der sambischen Fussballnationalmannschaft. Das muss ich am kommenden Dienstag unbedingt zum Aerobic anziehen!

Für den Rückweg gab es noch eine mit Kartoffeln gefüllte und frittierte Teigtasche in die Hand. Da musste ich schmunzeln – denn anscheinend sind nicht nur wir Schwaben in der Lage, Kartoffeln mit Teigwaren zu kombinieren! Was für eine Mittagspause. Danke Reinhold.

Mittwoch, 27. November 2019

Auf dem Weg zum Baumarkt haben wir in einem kleinen Garten Eden mitten in Lusaka eine Kaffeepause eingelegt. Und einen weltklasse Käskuchen mit Erbeerkompott verspeist. 

Also bei der Gelegenheit ein paar Infos zum Essen:

  • Ich habe noch nichts gegessen, was nicht geschmeckt oder Probleme bereitet hat. Im Gegenteil – wenn ich nicht anfange, wenigstens eine Mahlzeit etwas einzuschränken, könnte es sein, dass mein Mehrgewicht mit meinem Freigepäck verrechnet werden muss.
  • Das sambische Nationalgericht heißt Nchima und ist eine Art Polenta aus weißem Maisbrei. Dieser wird meist mit den Händen zu einem kleinen Kloss geformt und dann mit Gemüse und/oder Fleisch und am besten mit Soße gegessen . In der Kantine der Bank of Sambia gab es gestern neben Huhn und Fisch auch frittierten, knusprigen Schweinebauch dazu: Und zwar gleich zwei Scheiben pro Portion! 
  • Empfehlen kann ich auch Shawarma. Eine Art dünner Fladen, der mit Joghurtsoße eingestrichen , ein bisschen Grünzeug darauf verteilt, reichlich Hähnchenfleisch nach Dönerart zugegeben und das ganze dann mit Pommes in den Fladen eingewickelt wird. 
  • Das Bier, das häufig auf der Karte steht, heisst Mosi. Es ist leicht und schmeckt nicht bitter. Sehr zu empfehlen sind auch die Bananen – die sind wunderbar süß. Ich habe heute bei einem Mädchen am Straßenrand Mangos gekauft und weiteres Obst, das ich nicht kenne.... 


Dienstag, 26. November 2019

Ich habe heute meinen ersten Tag im Büro des Projektteams bei der Bank of Sambia verbracht. Den Morgen habe ich vertrödelt, da erst technische Probleme zu lösen waren. Und ich habe heute gelernt, dass sich hier viele Probleme lösen lassen, aber eben mit Geduld und nicht sofort.

Das unbestrittene Highlight des Tages war, das betriebliche Gesundheitsmanagement bei der Bank of Sambia kennenzulernen. Dienstag abends um 17.00 Uhr werden die Boxen  auf dem Parkplatz hinter der Bank ausgepackt, angeschlossen, Turnmatten ausgegeben, jemand hat Wasser organisiert und dann geht´s los!

Wir haben eine Stunde beim Aerobic geschwitzt und es hat so was von Spaß gemacht! Hier stört sich niemand an lauter Musik oder an auf dem Platz parkenden Autos.

Eine Frau vom Sicherheitsdienst hat auch teilgenommen. Nach der Sportstunde hat sie sich ihre Waffe wieder übergeworfen und ist in ihren Sportklamotten mit größter Selbstverständlichkeit über den Platz gegangen. Sie hat wohl meinen erstaunten Gesichtsausdruck bemerkt und wir haben uns zugewunken. Außer mir fand das niemand seltsam. Auf der Rückfahrt zum Hotel habe ich Kinder gesehen, die vermutlich elternlos sind und auf der Straße leben. Auch das ist Sambia.

Montag, 25. November 2019

Mein erster Tag war einfach nur umwerfend. Ich hatte heute gleich Gelegenheit, das Team von Reinhold Hörnle und einen wichtigen Schwerpunkt Ihrer Arbeit hier in Sambia kennenzulernen, sozusagen live dabei zu sein. Im Mittelpunkt stand das Farmers Business Game. In diesem Spiel agieren die Teilnehmer als eigenständige Farmer, müssen Entscheidungen treffen bzgl. Anbau, Investitionen, Verkauf ihrer Produkte. Alles unter Berücksichtigung der Gesundheit und Lebensqualität ihrer Familie. Der Farmer erstellt eine Planung, setzt diese um und erlebt dann die Auswirkungen der getroffenen der Entscheidungen bzgl. Investitionen, Sparverhalten und Vetriebsstrategie usw. auf seine finanzielle Situation – ein bisschen wie Monopoly.

Heute war der erste Tag eines Trainings von künftigen Trainern, die landesweit diese Trainings vor Ort selbständig durchführen werden. Die Teilnehmer kommen aus verschiedenen Branchen, unterschiedlichen Landesteilen und bringen unterschiedliche Voraussetzungen mit. Es waren fünf verschiedene Gruppen, die je als ein Farmer agierten und daher ihre Entscheidungen gemeinsam abstimmen mussten. So kam in jeder Gruppe eine rege Diskussion auf. 

Am Nachmittag bekam jede Gruppe eine Frage. Z.B.: Welche Vor- und Nachteile hat es, wenn ich meine Produkte am Markt verkaufe, oder welche Probleme bereitet die Verwendung von Plastik? Die Fragen waren nicht das ungewöhnliche, sondern, dass jede Gruppe die Präsentation des Ergebnisses in einer bestimmten Form vortragen musste. Eine Gruppe musste als Nachrichtensendung präsentieren, andere als Schauspiel, Gedicht oder als Gesang! Und ich kann Ihnen sagen, die Aufgaben wurden unglaublich gut gelöst... das war unvergesslich.

Morgen früh gehts ins Büro bei der Bank of Sambia. Ich bin schon sehr gespannt, aber das Erlebte heute lässt sich eigentlich nicht mehr steigern! So, jetzt werde ich noch versuchen, ein paar kleinere technische Probleme zu lösen (ohne dass das Stromnetz ausfällt - das ist ein Witz, den wahrscheinlich nur meine 3 Kollegen verstehen werden). A propos Strom: Als ich vorhin zurückkam, lag ein Zettel vor der Tür, dass der Stromanbieter das Hotel seit 3 Tagen nicht mehr mit Strom versorgt und der hoteleigene Generator heute Nacht für ein paar Stunden ausgeschaltet wird....

Sonntag, 24. November 2019

Nach einem Zwischenstopp in Dubai bin ich heute Abend in Lusaka angekommen. Nach der Lagebesprechung mit Reinhold Hörnle von der Sparkassenstiftung für internationale Kooperation geht’s morgen um 7:30 Uhr los. Hier hat’s jetzt noch circa 20 °C und die Regenzeit fühlt sich definitiv wie Sommer an. Alles richtig gemacht.

Samstag, 23. November 2019

Die erste Etappe ist geschafft. Ich sitze im Flieger in Frankfurt – nächster Zwischenstopp Dubai!