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Heilberufe-Dialog

KSK Inside

Neue Wege zur Veränderung des Genoms: Chancen, Risiken, Fragen.


Im Jahr 2012 stellten die französische Mikrobiologin Emmanuelle Charpentier und die US-Biochemikerin Jennifer Doudna eine neue Methode der gezielten Veränderung von Genen vor: Crispr/Cas9. Damit lassen sich DNA wie mit einer Schere exakt zurechtschneiden und Erbkrankheiten bekämpfen. Die Crispr-Cas-Methode gilt als revolutionäre Entwicklung der Genchirurgie. Doch wie weit dürfen Wissenschaft und Medizin gehen?

Diese Frage stand im Mittelpunkt unseres Heilberufe-Dialogs. Gastreferent war Prof. Dr. Martin J. Lohse, Präsident der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte und ehemaliger Vizepräsident der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Die Anwendungsmöglichkeiten der Crispr-Cas-Methode in Medizin und Wissenschaft seien schier unerschöpflich: von der Bekämpfung von Erb- und Infektionskrankheiten über die Zucht genveränderter Nutztiere mit den jeweils gewünschten Eigenschaften bis zur genetischen Veränderung von Nutzpflanzen.

Der chinesische Wissenschaftler He Jiankui hat allerdings auch gezeigt, wohin die Methoden moderner Genchirurgie führen können: Am 28. November 2018 tritt er in Hongkong vor die Fachwelt und erzählt in holprigem Englisch, wie er die ersten genmanipulierten Menschen geschaffen hat. Lulu und Nana heißen die Zwillingsmädchen, deren Erbgut er angeblich so manipuliert hat, dass sie gegen HIV immun sind.

Die Fachwelt war geschockt über diesen Menschenversuch. „Ein Mann spielt Gott“, titulierte am Tag darauf eine große deutsche Tageszeitung. Und in der Tat stellt sich die Frage: Darf der Mensch so etwas tun?

Wenige Monate später forderten renommierte Forscher, darunter Emmanuelle Charpentier, ein Moratorium der Genschere für den Einsatz am Menschen. Im Fachmagazin Nature schrieben die Wissenschaftler, es solle auf globaler Ebene eine „feste Zeitspanne geben, in der keine klinischen Anwendungen der Keimbahn-Editierung in irgendeiner Form erlaubt sind“. Das Moratorium solle aber nicht dauerhaft und nicht für die Grundlagenforschung gelten.

Der Heilberufe-Dialog ist eine Veranstaltungsreihe unserer Kreissparkasse. Er richtet sich an Ärzte, Apotheker und andere Vertreter von Heilberufen im Landkreis Esslingen und ist Teil eines speziell auf Heilberufe zugeschnittenen Betreuungskonzepts unseres Hauses. „Wir sind davon überzeugt, dass Vertreter akademischer Heilberufe eine spezialisierte und praxisorientierte Beratung in Finanzfragen benötigen“, sagt unser Vorstandsmitglied Kai Scholze.