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Die USA zu Besuch in Nürtingen

Vernissage mit Fotografien von Peter Granser bei der Kreissparkasse in Nürtingen eröffnete 29. Nürtinger Kunsttage

Mit „The Signs of the Times“ brachte Peter Granser die weite Welt in die Kreissparkasse: „Die USA zu Besuch in Nürtingen“ – treffender als Uwe Alt, Regionalbereichsleiter der Kreissparkasse in Nürtingen, in seiner Begrüßung hätte man es nicht ausdrücken können. Die überaus gut besuchte Vernissage im Fritz-Ruoff-Saal bildete den Auftakt zu den 29. Nürtinger Kunsttagen.

Ja, wer möchte nicht dabei sein, wenn Amerika einen Abstecher in der Hölderlinstadt macht und zwar in Form von meist großformatigen Fotografien, die eine rätselhafte Poesie ausstrahlen, wie Dr. Tobias Wall dem Publikum erläuterte. Der Kurator durchleuchtete im Gespräch mit dem international renommierten Fotografen dessen ganz spezielle Sichtweise. In den Augen von Wall sind es Aufnahmen, die einem nichts vorführen. Sie erzählen tiefe Geschichten und zeigen sympathische Freaks, wie die alternde „Bikini Queen“ aus „Sun City“, einem ganz speziellen Ort in der Wüste Arizonas. Peter Ganser, der in Stuttgart lebt, reiste mit 30 Jahren in die künstliche Rentnerstadt, in der das Durchschnittsalter 78 Jahre beträgt und in der man erst ab 55 Jahren leben darf. Ein magischer Ort mit pink Flamingos in Vorgärten und „schrägen“ Menschen, die ein gewisses Bedürfnis haben, sich zwischen Pool und Golf zu präsentieren, weswegen es für Granser nicht schwierig war, zu fotografieren.

Als Autodidakt wurde der 1971 geborene und vielfach mit wichtigen Preisen ausgezeichnete Granser stark von amerikanischen Fotokünstlern inspiriert. Hauptmotivation seiner USA-Zyklen war Neugierde: „Ich wollte wissen, wie das Land wirklich ist“, erklärte er im Künstlergespräch. Ein wichtiger Wegbegleiter war Jack Keraucas Beatnik-Manifest „On the road“ von 1957, eine Absage an die amerikanische Gesellschaft. Peter Gransers Arbeiten sind Sozialstudien, durchaus auch politisch geprägt. 20.000 Kilometer reiste er durch Texas. Dabei entstand die Serie „Signs“, eine fotodokumentarische Zustandsbeschreibung eines Landes in geistiger Erstarrung. Es war die Zeit George Bushs jr.. Politik im Alltag hieß Schießstände mit Paintball-Pistolen. Auf Gransers Bildern ist viel Leere und der Mensch ganz klein, wie der verloren wirkende Mann, der stoisch eine amerikanische Flagge in die leere Landschaft schwenkt. Das krasse Gegenteil ist im Triptychon „Megachurch“ zu sehen. Ein ehemaliges Baseball-Stadion, das zur größten Kirche Amerikas umgebaut wurde und 16.000 Menschen fasst. Wall sieht darin Sterilität und Heilsversprechen eines Predigers, der kein Gesicht hat. „Große Soap. Viel Entertainment“ stecke dahinter.

Schräge Vögel bevölkern auch die Serie „Coney Island“, ein „riesiger Wasen“, wie Peter Granser erklärt und der erste Vergnügungspark Amerikas mit dem Charme des Vergänglichen. Menschen, an denen die Zeit ebenso nagt wie an den Geisterbahnen, tauchen in andere Identitäten ein, wie etwa der Elvis-Imitator. Bei dieser Aufnahme handelt es sich um eine bewusst einstudierte Pose, im Gegensatz zu den oft sorgfältig beobachteten Szenen, die Granser ablichtet. Er zeigt den „Mythos Amerika“ in unaufgeregten Portraits, die niemanden lächerlich machen; „American Way of Life“ als eine Vielfalt der Lebensmöglichkeiten. Zahlreiche Bilder Gransers sind zu Fotobänden geworden.

 Christa Müller

Christa Müller