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Die unwiderstehliche Anziehungskraft des Robert Förch

Die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen gibt dem Künstler in ihrer Galerie in Echterdingen Raum für eine umfassende Retrospektive – Sechzig Arbeiten aus sechs Jahrzehnten

Robert Förchs Grafiken üben auf den Betrachter eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus – selbst Literaten wie Heinrich Böll und Hermann Lenz gerieten ins Schwärmen. Lenz sprach sogar von einer „magischen Wirkung“ der Orte in Linolschnitt. So berichtete Kurator Dr. Tobias Wall im Rahmen der Vernissage mit Grafiken und eigenständigen Zeichnungen von einem der renommiertesten deutschen Vertreter des Linolschnitts im Nachkriegsdeutschland. Unter dem Titel „Grafiken aus sechs Jahrzehnten – Ein Rückblick“ sind noch bis zum 19. Januar 2018 insgesamt 60 Arbeiten Förchs in den Filialräumen der Kreissparkasse in Echterdingen zu sehen.

Regionalbereichsleiter Peter Heckl war zeigte sich überwältigt von der Publikumsresonanz auf die Ausstellung und vermeldete voller Stolz „volles Haus“: Im Schalterbereich und auf der Galerie drängten sich zahlreiche Kunstinteressierte und Weggefährten des 1931 in Künzelsau geborenen Grafikers.

Robert Förch hatte an der Stuttgarter Kunstakademie bei Karl Rössing Zeichnung und Radierung studiert. Früh wandte er sich dem Linolschnitt zu und blieb ihm treu, ungeachtet aller Modeströmungen und Entwicklungen. Ausgangspunkt seiner ebenso poetisch wie streng gefügten Farbschnitte ist die Zeichnung vor Ort, die Stimmung, das Licht, das er im Atelier auf die Linoleumplatte überträgt. Dafür ist der Künstler viel auf Reisen durch alle Herren Länder, wie die Ausstellung deutlich macht. Das „Prager Fensterbild“, „Lago Maggiore“, die „Sardische Bergstadt“, der „Alte Turm“ in Pavia und Venedig sind Belege für Förchs Fernweh.

Von Menschen geprägte Kulturlandschafen, Städte, Innenräume, Plätze – das sind seine Themen. Dabei schweift sein Blick abseits ausgetrampelter Besucherpfade. „Es ist keine Sightseeing-Kunst, keine Touristenkunst“, unterstreicht Dr. Tobias Wall die besondere Bedeutung der Blätter. Das Werk dieses feinen Grafikers sei eine Reise auf der Suche nach der Schönheit in der Wirklichkeit. Diese beginnt bereits im Jahr 1957. Die ersten Touren führen Förch nach Irland. Dort entstehen die Bilder, die Böll so faszinierten. Die „O’Connell-Street“ in Dublin markiert die älteste Zeichnung in der Ausstellung. Die Spanne der Echterdinger Exponate reicht bis 2014. Aus der Zeit stammen die beiden Handdrucke „Ein Blumenfenster“ und „In Chioggia (Am Kanal)“.

Robert Förchs Werk umfasst 307 Linolschnitte. Die meisten dieser Arbeiten hat der Künstler farbig und ausnahmslos in einem aufwendigen Verfahren mit der Hand gedruckt – ohne Zuhilfenahme einer Presse. „Ein Augenblick von Glück“ sei dies am Ende eines langen Tages für den vielfach ausgezeichneten Künstler, so Kurator Dr. Wall.

 Christa Müller

Christa Müller